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Die Glaubensmaschine

C9105ed9263a733c6076f837abd645ed?s=47 Nikkel Blaase
November 09, 2012

Die Glaubensmaschine

‘Die Glaubensmaschine‘ (The Faith Machine) visualises a transfer of rituals and beliefs by means of a technical paraliturgy. Based upon von Weizsäcker’s thesis that the belief in modern sciences is the predominant religion of our times, contemporary rituals of our everyday’s technical life are reshaped similar to those of the roman-catholic church. Three machines embody these technical-religious fetishes. They offer the three most important holy sacraments for electronic devices analogously to those offered by the church, in shape of a baptism-, indulgence-, and prayer machine.

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Nikkel Blaase

November 09, 2012
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  1. Nikkel Blaase Kolloquium die glaubeNs mAschine

  2. Ideenfindung inhalt A B C D E Theorieteil Praxisteil Dokumentation

    Quellenangabe ca. 45 min.
  3. inhalt F Vorführung: Praxisteil ca. 5 min.

  4. B Ideenfindung ideenfindung

  5. A • Technologischer Fortschritt • Transzendenz und Technik • z.

    B. Transistoren im Nanobereich • Technikphilosophie • Phänomenologie • Subjekt-Objekt-Spaltung • Gebet, Meditation • Rituale Glaube & Technik ideenfindung
  6. ideenfindung A Thema – Erste Idee Wir waren auf dem

    Mond, schicken Roboter auf den Mars, lesen das menschliche Erbgut wie das kleine Einmaleins, verlängern unser Leben durch die moderne Medizin, fliegen in Überschallgeschwindigkeit in kürzester Zeit über die Kontinente, erforschen die Welt im Nanobereich und simulieren schwarze Löcher in Teilchenbeschleunigern. Wir und unsere Welt verändern uns. Stets begleitet von einer ubiquitären und transzendenten Technik. Wo bleibt da noch Platz für Spiritualität und religiösen Glauben? Die Glaubensmaschine beschäftigt sich mit dem Glaubenstransfer und der Ritualdynamik in Zeiten der technisch-digitalen Revolution.
  7. A literatur Technikphilosophie

  8. literatur A Interpassivität & Rituale

  9. inspirationsquellen A Interessante Arbeiten

  10. void loop () { GOTT=digitalRead(GOTTSENSOR); if (GOTT){ digitalWrite(LICHT,LOW); digitalWrite(TOD,HIGH); }

    else{ //Gott } } A inspiration »Maschine, die auf Gott wartet« 2007 Hannes Waldschütz
  11. A inspiration »Faith Condition« 2012 Lukas Franciszkiewicz

  12. A inspiration Fernando Orellana »Looking For God« 2004

  13. A inspiration Joe Maiser »Mobility Transcendence Device« 2008

  14. A inspiration Luiza Prado »The Bang Theory« 2010

  15. »Channel Of Mindfulness« inspiration A Yufan Wang 2011

  16. theorieteil B Theorieteil

  17. Der Glaube an die Wissenschaft spielt die Rolle der herrschenden

    Religion unserer Zeit. Carl Friedrich von Weizsäcker B 1964
  18. theorieteil B Der Glaubenstransfer • Wissenschaftsglaube weist alle kennzeichnenden Elemente

    für eine Religion auf • Gemeinsamer Glaube • Organische Kirche • System von Verhaltensweisen »Das Atom gleicht einer jenseitigen Welt, die mathematischen Formeln dem heiligen Text, die Kirche wird durch den Priesterstand der Wissenschaft repräsentiert, und es gibt eine ›immanente Ethik der technischen Welt‹ «
  19. theorieteil B Technik-Kult und das technische Leben • Jede Religion

    verwirklicht sich erst in ihrem Kultus • Wissenschaftsglaube: Technik der Kult und das technische Leben der Vollzug • Wirklich kann Religion erst in ihrem Vollzug werden • Unser Alltag wird vom Kult der Technik gestaltet: »Die Zeitung ist unser Brevier, der Konsum der Nachrichten gleicht dem Stundengebet, dass den Tag gliedert, Schaufenster und Reklamewände sind wie Bildwände und Heiligenbilder, die das Geheimnis darstellen«
  20. Die moderne Wissenschaft ist die legitime Tochter der Kirche, sie

    hat sich emanzipiert und gegen ihre Mutter gewandt Berthold Brecht B
  21. theorieteil B Technik-Kult und das technische Leben • Wir verändern

    uns; und auch unsere Maschinen werden gesellschaftsfähig • Persönliche Geräte wie Smartphone, Laptop, oder MP3-Player sind stetig gri ereit, vollgepackt mit unseren persönlichen Daten • Enge Beziehung zu unseren Maschinen • Sind ein Teil von uns selbst geworden »Ich habe mein iPhone verloren, es fühlt sich an, wie wenn jemand gestorben wäre, ich meinen Kopf verloren hätte […] Auch wenn ich es nicht bei mir habe, spüre ich es vibrieren. Ich denke daran, wenn es im Schließfach ist« Süddeutsche Zeitung
  22. theorieteil B • Das technische Leben • Transferiert traditionellen Glauben

    in unsere moderne Welt • Die Ekstase durch Technik ist dabei vergleichbar mit der durch Religion • Die Säkularisierung und Entchristlichung der moderne (Weber‘sche These der »Entzauberung der Welt«) ist in Wirklichkeit ein Glaubenstransfer und kein Glaubensverlust Technik-Kult und das technische Leben
  23. theorieteil B • Religionen funktionieren nur, weil sie Rituale haben

    • Rituale sind fluide Handlungsakte und Gebilde und können immer wieder verändert und sogar völlig neu designed werden • Veränderungen von Ritualen (Ritualdynamik) • Die Funktion von Ritualen muss dabei immer aufrecht erhalten werden; der Funktionsmodus hingegen kann verändert werden Die Dynamik der Rituale
  24. theorieteil B • Auch unreligiöse Menschen halten an bestimmten Ritualen

    fest • z. B. das Anzünden einer Kerze an einer Unglückstelle • Diese Übertragung von ursprünglich religiösen Ritualen in symbolische Kontexte kann man als Ritualtransfer verstehen • Viele Personen, die sich von kirchlicher Religiösität losgesagt haben, pflegen trotzdem eine bestimmte Form von spirituellem Glauben • Sie können sich als nicht-gläubig bezeichnen, trotzdem aber religiöse Handlungen vollziehen Die Dynamik der Rituale
  25. theorieteil B • Rituale funktionieren auch ohne Religion • Gleichzeitig

    funktioniert Religion aber nicht ohne Rituale • Eine unsichtbare Religion lässt sich nur sehr schwer vorstellen • Wissenschaftsglaube hat keine Wahrheit ins ich selbst: Eignet sich nur zum Vollzug, weswegen dessen Rituale (Rituale der Technik) auch ohne einen Mythos funktionieren können • Die Rituale der Technik sind dabei, wie sämtliche Rituale, als interpassive Handlungen zu betrachten Theorie der Interpassivität Die Dynamik der Rituale
  26. theorieteil B • Rituale der Technik erforschen • Benennung technisch-basierter

    Handlungen im technischen Leben • Diesen Handlungen kann wiederum eine Bedeutung zugeschrieben werden, was sie dann zu rituellen Handlungen machen kann • z. B. Aufladen des Mobiltelefons (erstmal kein Ritual) • Bedeutungszuschreibung: • »Immer wenn ich mein Mobiltelefon auflade wird es stärker und bekommt besseren Empfang beim Telefonieren« Die Rituale der Technik
  27. theorieteil B • Selbststudie über 3 Tage • (Unvollständige) Auflistung

    technischer Handlungen • Eine Momentaufnahme • Beispielhaft Illustration des technischen Lebens Die Rituale der Technik
  28. theorieteil B Aufladen von Geräteakkus Stromverbindung herstellen Mobiltelefon, Laptop, Kamera

    Geräte reinigen Staub und Fettflecken entfernen Touchscreen, TV, Tastatur An & Aus schalten Schalter, Druckknöpfe und Touchgesten betätigen Licht, Ka eemaschine, Radio, Computer, Bildschirmsperre, Klingel Technische Handlungen
  29. theorieteil B Abrufen von Neuigkeiten Computer- und Smartphone Programme, Apps

    aufrufen und lesen Facebook, Twitter, Sportergebnisse, Nachrichten, SMS, Emails Kommunikation Text- oder Sprach- Eingabe über ein technisches Kommunikationsmittel Facebook, Twitter, Telefonieren, SMS, Videogespräche, Chats Bedienung von komplexen Interfaces Physische Interaktion mit Knöpfen, Schaltern und Bildschirmausgabe Wecker, Waschmaschine, Computer, Mobiltelefon, Fernbedienung, Gamecontroller Technische Handlungen
  30. theorieteil B Verbindungen au auen Kabelose Verbindungen au auen WLAN,

    Bluetooth, Mobile Daten, Funk, Radio Geräte Kontrolle Status ablesen Armbanduhr, Smartphone, Ladebalken Geräte Einstellungen Regelmäßiges neu einstellen Wecker, Ofen-Timer, Heizung, Herdplatte Technische Handlungen
  31. theorieteil B Orientierung Orte auf Karte suchen, Richtungen suchen Kompass,

    GPS, Digitale Karten Auf & Zu machen Auf und Abschließen / Schließen und Ö nen Bildschirmsperre, Türschloss, Programmfenster Geheimwörter Eingeben von Passwörtern und Zahlenkombinationen Geldautomat, Website- Anmeldung, Pincodes Technische Handlungen
  32. theorieteil B Interpassivität

  33. B theorieteil • Robert Pfaller, 1996 • Als Gegensatz zum

    Hype der Interaktivität • Seitdem stetig weiterentwickelt • Die Praxis eigene Handlungen und Empfindungen an äußere Objekte zu delegieren • Bereich der Lustempfindung • Delegiertes Genießen • Der Interpassive lässt Andere an seiner Stelle genießen und wird dabei vor echter Anteilnahme geschützt Theorie der Interpassivität
  34. B theorieteil • Canned Laughter in Fernsehkomödien • Das Dosengelächter

    im Hintergrund lacht an unserer Stelle • Fernsehserie ist ein Interpassives Medium • Konsumiert und Rezeptiert sich selbst • Akteur ist sich der Figurativität in der interpassiven Ersatzhandlung in der Regel nicht bewusst (Die Fernsehkomödie lacht für mich an meiner Stelle) • Und selbst wenn, so würde er nicht daran glauben Beispiel: Canned Laughter
  35. B theorieteil • Aufnehmen eines Filmes • Tiefgreifender Befreidigung, auch

    wenn der Film niemals angeguckt wird • Videorekorder hat anstelle der interpassiven Person den Film angesehen Beispiel: Videorekorder
  36. B theorieteil • Als rational denkender Mensch kann man nicht

    an den Erfolg der Delegation glauben • Existenz eines fiktiven Publikums • Funktion eines naiven Beobachters • Glaubt an den Erfolg der interpassiven Handlung • Die Einbildung in der interpassiven Handlung ist eine den Akteuren unbewusste Illusion der Anderen Eine Illusion der Anderen
  37. B theorieteil »Pfaller unterstreicht seine These durch das Beispiel der

    Darstellung einer toten Person auf einer Theaterbühne. Wenn diese Person niesen muss, erfolgt üblicherweise allgemeines Gelächter. Aber warum? Sowohl die übrigen Darsteller als auch das Publikum wissen, dass die Person in Wirklichkeit nicht tot it. Die Freude lässt sich dadurch erklären, dass durch den Fauxpas bewusst werde, dass durch die Theaterinszenierung nicht so sehr die realen Zuschauer getäuscht wurden, sondern vor allem der fiktive naive Beobachter. Dieser […] Glaube ermöglicht den ästhetischen Genuss der Fiktion überhaupt erst. Gelacht wird also nicht über die eigene Enttäuschung, sondern über die des naiven Beobachters.« Eine Illusion der Anderen
  38. B theorieteil • Beobachtungsinstanz fiktiver, anonymer, naiver Beobachter • Glaubt

    an die Inszenierung des Interpassiven • So kann diese erst funktionieren und sinnvoll werden Eine Illusion der Anderen
  39. B theorieteil • »Wie kann ich feststellen, dass der Videorekorder

    jetzt an meiner Stelle fernsieht?« • Die Methode, also wie Genüsse an ein interpassives Medium übertragen werden können, führt zur Entdeckung der Rituale der Interpassivität • Genuss-Delegation mit Hilfe des rituellen Charakters der interpassiven Praktiken • Rituale • Alle Rituale sind interpassive Handlungen Die Rituale der Interpassivität
  40. B theorieteil • Beispiel: Fotokopierer »Ein bekanntes interpassives Verhalten zeigen

    bestimmte Intelektuelle in Bibliotheken: Sie finden ein interessantes Buch, laufen zum Fotokopierer, kopieren einige hundert Seiten, und dann geben sie das Buch zurück und gehen mit dem Gefühl tiefer Befriedigung nach Hause – als hätte die Maschine den Text bereits an ihrer Stelle gelesen. […] Die Intelektuellen tun (überlicherweise ohne es zu wissen) so, als ob die Kopiermaschine den Text läse. Sie spielen buchstäblich Lesen mit Hilfe der Maschine. Das Licht der Aufmerksamkeit wird gewissermaßen in linearer Abfolge auf jede Seite geworfen; langsam folgt die Maschine jede Zeile, ›betrachtet‹ jede Seite.« Die Rituale der Interpassivität
  41. B theorieteil • Figurativität • Die Ersetzung des wirklichen Aktes

    (das Lesen) durch dessen symbolische Darstellung (Das Fotokopieren) • Charakteristisch für das rituelle Handeln • Verbindung mit dem Medium durch die symbolische Darstellung • (lesen, fernsehen durch fotokopieren, videorekorder programmieren) Die Rituale der Interpassivität
  42. B theorieteil • Beispiel: Fotokopierer • Rituelles Handeln • Der

    Genuss des Lesens wird an das interpassive Medium Fotokopierer übertragen • Interpassive Person handelt so, als ob die Maschine an ihrer Stelle lesen könnte, glaubt aber gleichzeitig nicht daran. • Ist in einer Illusion gefangen Die Rituale der Interpassivität
  43. B theorieteil • Wir sind uns hinsichtlich des Wahrheitswertes völlig

    gewiss (Der Fotokopierer kann nicht stellvertretend für mich lesen), jedoch ist der Inhalt der Illusion und nicht bewusst. • Der anonyme, naive Beobachter glaubt an die Wahrheit der Illusion (Der Fotokopierer kann stellvertretend für mich Lesen, weil irgendein anonymer beobachter dies geglaubt haben könnte) • Deswegen ist die Illusion in den Praktiken der Interpassivität eine Illusion ohne Subjekt; eine objektive Illusion Die Rituale der Interpassivität
  44. B theorieteil • Mit Hilfe der objektiven Illusion können Genüsse

    an ein interpassives Medium übertragen werden • Der Glaube des anonymen Beobachters daran, lässt uns Geniessen und bringt Befriedigung (Die gleiche Art von Befriedigung, die wir empfinden, wenn wir unsere Videokassetten niemals anschauen) • Die gleiche Struktur wirkt auch im religiösen Glauben Objektiver, interpassiver Glaube
  45. B theorieteil • Religiöser Glaube kann Gegenstand interpassiver Praktiken sein

    • So brauchen wir nicht mehr selbst zu glauben, sondern lediglich irgendein anonymer Anderer muss dazu gebracht werden, zu glauben, dass wir glaubten • Bringt uns in die Lage eine Befriedigung daraus zu gewinnen, dass wir nicht an die Inhalte glauben • Die anonyme Einbildung im Ausüben des Rituals, ermöglicht uns nicht zu glauben und schützt uns vor der Subjektwerdung • Sie ist in allen religiösen Ritualen zu finden Objektiver, interpassiver Glaube
  46. B theorieteil • Ganze Religionen können nach dem Prinzip des

    delegierten Glaubens aufgebaut sein • »Jeder hält einen anderen für den ›wirklichen‹, naiven Gläubigen – ohne dass dieser aber existieren muss.« • Interpassivität im religiösen Ritual »Durch Rituale deligieren Individuen ihre religiösen Überzeugungen an interpassive Medien. Interpassivität beruht dabei nicht nur auf Ritualen, sondern umgekehrt ist das Ritual selbst auf Interpassivität gegründet« Interpassivität in der Religion
  47. B theorieteil • Beispiel hierfür: Die Tibetische Gebetmühle, die an

    meiner Stelle betet • Gebetmühle enthält ein Streifen Papier auf dem ein Gebet geschrieben ist. Sie wird durch eine Kurbel gedreht. »Indem [der Benutzer] durch das Drehen eine stellvertretende Darstellung seiner Religiösität erzeugt, kann der Tibeter sich selbst psychisch auf Distanz zu seiner Religion begeben« • Der Tibeter kann dabei objektiv beten, was immer er auch denken mag Interpassivität in der Religion
  48. B theorieteil • Diese interpassive Dimension des Rituals auch im

    Christentum • Ein christlicher Gläubige kann in die Kirche gehen, eine Kerze anzünden und dann die Kirche wieder verlassen. • Die Kerze bleibt an seiner Stelle vor Ort und brennt (betet an seiner Stelle) weiter Interpassivität in der Religion
  49. Robert Pfaller Der religiöse Fetisch erfüllt die Funktion, anstelle des

    Subjekts einen Glauben aufrecht zu erhalten, den das Subjekt selbst abgelegt hat. B
  50. B theorieteil »Indem sie so tun ›als ob‹ Beten stattfände,

    gehen der Tibeter und der Christ in Wirklichkeit auf Distanz zu ihren Religionen – genau so, wie der interpassive Videofreak das Fernsehen vermeidet« • Der objektive Glaube im Ritual macht den persönlichen, subjektiven Glauben des religiösen Gläubigen überflüssig »Sobald objektiver Glaube da ist (dank rituellen Handelns), kann das religiöse Subjekt gehen« Interpassivität in der Religion
  51. B theorieteil • Das Ritual befreit die Individuen von ihrer

    Subjektwerdung und Identifizierung im jeweiligen religiösem Kontext • Es gibt beispielsweise Christen, die es nicht wissen, dass sie Christen sind Interpassivität in der Religion
  52. B theorieteil »Objektiver Glaube (Ritus) tritt historisch vor jeglicher subjektiver

    Gesinnung (Mythos) auf. Dies bedeutet, dass der objektive Glaube für sich alleine stehen kann, ohne durch […] Subjektivierung überbaut worden zu sein…« • Die Basis der Religion, der objektive Glaube in den Ritualen, kann nicht alleine durch religiösen Überbau aus subjektiviertem Glauben ersetzt werden • Eine unsichtbare Religion ist nicht möglich Interpassivität in der Religion
  53. B theorieteil • Kurze Zusammenfassung: • Wissenschaftsglaube als herrschende Religion

    unserer Zeit • Realisiert sich im Kult der Technik • Das moderne, technische Leben ist Vollzug dieser neuen Religion • Rituale sind Basis des Wissenschaftsglaubens, da Religion nicht ohne Rituale funktioneren kann • Rituale sind dynamisch: Können in ihrem Funktionsmodus verändert oder völlig neu designed werden Theorie der Interpassivität
  54. B theorieteil • Kurze Zusammenfassung: • Rituale können im technischen

    Leben wiedergefunden werden • Sie funktionieren durch ihrer interpassive Dimension • Ritualynamik: Übertragung von ursprünglich religiösen Ritualen in symbolische Kontexte (Ritualtransfer) • Kann auch ohne Mythos funktionieren • Wir brauchen nicht an die Inhalte der Religion zu glauben, um religiöse Handlungsakte zu vollziehen Theorieteil
  55. B theorieteil • Neuen technische Rituale • Können mit völlig

    neuem Mythos überbaut werden Theorieteil
  56. Praxisteil Praxisteil C

  57. Praxisteil C • Au auend auf Theorieteil • Wissenschaftsglaube, These:

    Ritual- und Glaubenstransfer, Ritualdynamik, Interpassivität • Religiöse Rituale auf technische Rituale transferierbar • Visualisierung durch Übertragung der wichtigsten Rituale der Katholischen Kirche (Sakramente) auf die Rituale der Technik Die Glaubensmaschine
  58. Praxisteil C • Das christliche Taufritual (Sakrament der Taufe), Besprenkelung

    des Täuflings mit geweihtem Wasser • Übertragung auf die Taufe einer elektrischen Maschine mit geweihtem Strom • Das technische Ritual des stetigen Aufladens der Geräte Akkus (Der Maschine wird immer wieder neues Leben eingehaucht) kann also in einem religiösen Kontext betrachtet werden • Mechanismen der Interpassivität sind dabei die gleichen wie in den religiösen Ritualen Die Glaubensmaschine
  59. Praxisteil C • Symbolik des Rituals • Glaubhaftigkeit • Geweihtes

    Wasser unterscheidet sich wissenschaftlich gesehen nicht von herkömmlichen Wasser • Erst das Symbolische in der rituellen Handlung und der objektive Glaube veranlasst uns (naiver, anonymer Beoachter) zu glauben, dass Wasser besäße eine heilige Kraft • Taufe einer Maschine mit geweihtem Strom: Symbolische Handlung Die Glaubensmaschine
  60. Praxisteil C • Die Technische Paraliturgie als Grundgedanke der Glaubensmaschine

    • Basis für die Konstrunktion von 3 Glaubensmaschinen • Im Kontrast zur katholischen Prunk-Ästhetik: Minimalistische, auf ihre geometrischen Grundformen reduzierte Objekte • Innenleben verhüllt, Funktion unerkennbar, keine Kabel, keine sichtbaren Bedienungselemente, keine Ausgabeelemente • Scheinbar nutzlose Objekte Die Glaubensmaschinen
  61. Praxisteil C • In der Bedienungsanleitung o enbaren sich Interaktion

    und Funktion (Anleitung des Rituals) • Für den häuslich, privaten Gebrauch wie auch in einer Messe konzipiert • Anwendung auf kleine, persönliche Geräte mit USB-Anschluss • Smartphone als ubiqitäres und emotionales Gerät: Spielt hier die größte Rolle Die Glaubensmaschinen
  62. Praxisteil C • Verkörperung eines technisch-religiösen Fetischs • Technische Paraliturgie

    • Spenden heilige Sakramente, analog zu den wichtigsten Sakramenten der katholischen Kirche (Taufe, Buße, Krankensalbung) • Die Taufmaschine tauft eine Maschine • Die Ablassmaschine reinigt eine Maschine regelmäßig von ihren zeitlichen Sündenstrafen • Die Gebetsmaschine betet um Heilung einer defekten Maschine; oder für den Übergang in eine jenseitige Welt Die Glaubensmaschinen
  63. C Praxisteil Taufmaschine, Ablassmaschine, Gebetsmaschine

  64. Praxisteil C Design Ästhetik

  65. C Praxisteil Design Ästhetik • Gestaltung • Katholische Kirche /

    Technik • Natur (Holz) / Künstlich (Kunststo ) • Reduktion • Geometrische Grundformen • Minimalismus • Dieter Rahms
  66. C Dieter Rams Praxisteil

  67. C taufmaschine Die Taufmaschine

  68. C taufmaschine Die Taufmaschine • Kirchliche Taufe • Steht immer

    am Anfang, Zeichen des Glaubens • Eintritt in die christlichen Religion • Voraussetzung für den Erhalt weiterer Sakramente • Berfreiung von allen bisherigen Sünden (Taufgnade) • Absage an die bösen Kräfte • Ausstattung mit der besonderen Kraft des Heiligen Geistes • Verspricht Ewiges Leben
  69. C taufmaschine Die Taufmaschine • Kirchliche Taufe • Erneuerung, Neuscha

    ung • Nur einmal empfangbar • 3maliges Besprenkeln des Täuflings mit Weihwasser • Leben, Reinigung, Erneuerung • Anzünden einer Tau erze
  70. C taufmaschine Die Taufmaschine Gott-Upgrade • Taufe einer Maschine mit

    geweihtem Strom • 3maliges Drehen eines Stabs (Dynamo) • Strom wird selbst erzeugt und geweiht (USB-Anschluss) • Verspricht Aufnahme in die Glaubensgemeinschaft • Empfang weiterer Sakramente • Ewiges Leben, Befreiung aller bisheriger Sünden • Ausstattung mit besonderer Heiliger Kraft • Steht für ein neues Leben der Maschine
  71. C taufmaschine

  72. C taufmaschine

  73. C taufmaschine »Eine Maschine tauft eine Maschine« Taufmaschine

  74. C Ablassmaschine Die Ablassmaschine

  75. C Die Ablassmaschine Ablassmaschine • Kirchlicher Ablass • Verschiedene Bezeichnungen

    und Formen • Umfasst die Beichte, Buße, Sündenvergebung, Ablass und Versöhnung • Man kann es als symbolische Reinigung verstehen (Bußpraxis und Fegefeuer stehen in einem sehr engen Verhältnis) • Reinigungsritus, da nicht unreines in den Himmel und in die Nähe Gottes gelangen kann
  76. C Die Ablassmaschine Ablassmaschine • Kirchlicher Ablass • Wiederversöhnung mit

    Gott, Kirche und den Menschen • Kräftigung der Gottesbeziehung • Wiederherstellung der Taufgnade • Verwendung von Weihrauch steht symbolisch für Reinigung, Verehrung und Gebet • Symbolisch für das zu Gott aufsteigende Gebet
  77. C Die Ablassmaschine Ablassmaschine • Kirchlicher Ablass • Verspricht Heilswirkung

    • Mensch in Vorstellung der Kirche ein Sündiges Wesen – kann nicht sündenfrei Leben – und muss regelmäßig beichten bzw. den Ablass erhalten
  78. C Die Ablassmaschine Ablassmaschine • Ablassmaschine reinigt eine Maschine von

    ihren zeitlichen Sündenstrafen • Kugelhafte Gestalt • Schwenken wie ein Weihrauchfass • Beschuß mit Ultraschall zur innerlichen Reinigung • Ähnlich zum Ultraschallreinigungsgerät • Verspricht Absolution, Wiederversöhnung • Kräftigt Gottesbeziehung, Wiederherstellung der Taufgnade • Umgehung des Fegefeuers • Ewiges Leben bei Gott im Himmel nach dem Tod
  79. C Ablassmaschine

  80. C Ablassmaschine

  81. C Ablassmaschine »Eine Maschine reinigt eine Maschine von ihren zeitlichen

    Sündenstrafen«
  82. C Gebetsmaschine Die Gebetsmaschine

  83. C Die Gebetsmaschine Gebetsmaschine • Kirchliche Krankensalbung • Früher auch

    Letzte Ölung • Empfang im bedrohlichen Gesundheitszustand nach Ablass • Salbung von Händen und Stirn • Gebet um Heilung des Kranken • Nur von Lebenden empfangbar • Unterstützung eines Heilprozesses, schwere Krankheit, vor OP • Oder dem Tod entgegengehend
  84. C Die Gebetsmaschine Gebetsmaschine • Kirchliche Krankensalbung • Verspricht Heilung,

    Stärkung und Bewältigung der schwierigen Situation • Gibt Zuversicht • Heilende Wirkung • Überwindung der Angst vor dem Tod • Kann beliebig oft wiederholt werden
  85. C Die Gebetsmaschine Gebetsmaschine • Kirchliche Krankensalbung • Versehganitur: Standkreuz,

    Sterbekreuz, Tablett mit Schalen • Gebet um Heilung
  86. C Die Gebetsmaschine Gebetsmaschine • Gebetsmaschine betet um Heilung einer

    Maschine • Defekte oder nicht mehr korrekt funktionierende Maschinen • Gebetsform des Rosenkranzes bzw. Fingerrosenkranzes • LEDs als Rosenkranz angeordnet bilden beim Gebet die Form eines kreisförmigen Ladebalkens • Übersetzt Rosenkranzgebete in Maschinensprache • Funkwellentransmitter strahlen das Gebet in die Umgebung aus
  87. C Gebetsmaschine

  88. C Gebetsmaschine

  89. C Gebetsmaschine

  90. C Gebetsmaschine Vater Unser Vater Unser Ave Maria Ave Maria

    Ave Maria Ehre sei dem Vater Ehre sei dem Vater Ave Maria Ave Maria Ave Maria Kreuzzeichen 1 2 3 11 4 5 6 7 8 9 10 Rosenkranzgebet
  91. C Gebetsmaschine • 01001001011011100111010001101000011001010110111001100001011 011010110010101101111011001100111010001101000011001010100011 001100001011101000110100001100101011100100110000101101110 01100100011011110110011001110100011010000110010101010011011 0111101101110011000010110111001100100011011110110011001110100 011010000110010101001000011011110110110001111001010100110111 000001101001011100100110100101110100010000010110110101100

    10101101110 Kreuzzeichen
  92. C Gebetsmaschine • 01000111011011000110111101110010011110010010000001100010011 00101001000000111010001101111001000000111010001101000011 0010100100000010001100110000101110100011010000110010101 110010001000000110000101101110011001000010000001110100 01101111001000000111010001101000011001010010000001010011 0110111101101110001110100010000001100001011011100110010000 10000001110100011011110010000001110100011010000110010100

    100000010010000110111101101100011110010010000001000111011 0100001101111011100110111010000111011001000000100000101110 01100100000011010010111010000100000011101110110000101110 0110010000001101001011011100010000001110100011010000110 01010010000001100010011001010110011101101001011011100110111 0011010010110111001100111001011000010000001101001011100110 Ehre sei dem Vater (1)
  93. C Gebetsmaschine Ehre sei dem Vater (2) • 0100000011011100110111101110111001011000010000001100001011 011100110010000100000011001010111011001100101011100100010

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  94. C Gebetsmaschine Ave Maria (1) • 0100100001100001011010010110110000100000011101000110100 0011001010010000001010010011001010110010001100101011001 0101101101011001010111001000101100001000000100110001101111 011100100110010000100000010010100110010101110011011101010

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  95. C Gebetsmaschine Ave Maria (2) • 00110011001101100011011110111011101100101011001000010000001 11010101110000011011110110111000100000011000010110110001101 1000010000001101111011001100010000001110100011010000110 01010010000001110111011011110111001001101100011001000010111

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  96. C Gebetsmaschine Ave Maria (3) • 001000010000001101001011011100010000001100100011001010 1100001011101000110100000101100001000000110000101110011 001000000111001001101001011001110110100001110100011001010 110111101110101011100110110111001100101011100110111001100101110

  97. C Gebetsmaschine Vater Unser (1) • 00100010010011110111010101110010001000000100011001100001 011101000110100001100101011100100010000001101001011011100 010000001101000011001010110000101110110011001010110111000 10110000001101000010100110100001100001011011000110110001

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  98. C Gebetsmaschine Vater Unser (2) • 001110100011010000010000001100001011100110010000001101 00101110100001000000110100101110011001000000110100101101 1100010000001101000011001010110000101110110011001010110111 000101110000011010000101001000111011010010111011001100101

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  99. C Gebetsmaschine Vater Unser (3) • 00000110000101101100011100110110111100100000011010000110 00010111011001100101001000000110011001101111011100100110011 1011010010111011001100101011011100010000001101111011101010111 001000100000011001000110010101100010011101000110111101110

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  100. C Gebetsmaschine »Eine Maschine betet für eine Maschine«

  101. C Glaubensmaschinen

  102. D DOkumentation Dokumentation

  103. D DOkumentation Buch 175 x 245 mm 74 Seiten

  104. E Quellenangabe Quellenangabe

  105. DANKSAGUNG Andrea Sick Dennis Paul Peter van Maydell Karl Strecker

    Werner Budde Stephan Menze Patrick Blaase
  106. Ende www.nikkel-blaase.com