1. Zuerst kommt die Bestandsaufnahme
Wenn mir ein Besitzer ein matt gewordenes Klavier zeigt, schaue ich zunächst, was tatsächlich beschädigt ist. Oberflächlicher Schmutz, abgenutzter Lack und gelöstes Furnier können auf Fotos ähnlich aussehen. Die nötigen Arbeiten unterscheiden sich jedoch deutlich.
2. Welche Oberfläche liegt vor?
Mit „Politur“ ist häufig jede glänzende Oberfläche gemeint. Eine Schellackpolitur erfordert jedoch andere Reparaturverfahren als ein Polyesterlack. Das Alter des Instruments liefert Hinweise, reicht aber zur sicheren Bestimmung der Beschichtung allein nicht aus.
3. Der Wert der ursprünglichen Oberfläche
Die erhaltene Oberfläche zeigt, wie der Hersteller das Instrument ursprünglich gestaltet hat. Holzfarbe, Transparenz und Glanz prägen diesen Eindruck. Bevor ich eine alte Beschichtung entferne, prüfe ich deshalb, welche ursprünglichen Eigenschaften dadurch verloren gehen würden.
4. Gebrauchsspuren und fortschreitende Schäden
Leichte Abnutzung kann gut zum Erscheinungsbild eines historischen Klaviers passen. Abblätternder Lack oder angehobenes Furnier brauchen dagegen Aufmerksamkeit. Bei der Untersuchung unterscheide ich zwischen stabilen Alterungsspuren und Schäden, die sich weiter ausbreiten.
5. Eine kleine Probefläche
Eine unauffällige Stelle eignet sich für eine erste Reinigungsprobe. Das Verfahren wähle ich nach Prüfung der Beschichtung. So lässt sich erkennen, wie viel ursprüngliche Farbe und Glanz unter den Ablagerungen erhalten geblieben sind. Die Probe macht den möglichen Arbeitsumfang greifbarer.
6. Möglichkeiten der örtlichen Reparatur
Wenn die übrige Oberfläche gut erhalten ist, erfordern einzelne Abplatzungen oder abgenutzte Kanten keine vollständige Neubeschichtung. Manchmal genügen eine Sicherung der beschädigten Stelle und eine Retusche. Wie unauffällig sich Farbe und Glanz angleichen lassen, hängt vom vorhandenen Zustand ab.
7. Der Zustand des Furniers
Vor der Oberflächenarbeit prüfe ich den Untergrund. Neuer Lack behebt weder gelöstes Furnier noch instabile Verbindungen. Diese Schäden müssen zuerst fachgerecht repariert werden. Anschließend lässt sich entscheiden, wie die Oberfläche und das Holzbild wiederhergestellt werden können.
8. Gründe für eine vollständige Aufarbeitung
Eine vollständige Entfernung der Beschichtung ziehe ich in Betracht, wenn großflächige Schäden vorliegen und örtliche Reparaturen kein stimmiges Ergebnis ermöglichen. Bei historisch wertvollen Instrumenten prüfe ich besonders sorgfältig, ob sich auch eine stark gealterte Originaloberfläche erhalten lässt.
9. Die Erwartungen des Besitzers
Vor Arbeitsbeginn besprechen wir das gewünschte Ergebnis. Manche Besitzer möchten sichtbare Alterungsspuren bewahren, andere wünschen eine gleichmäßige, deutlich glänzende Oberfläche. Eine Musterfläche hilft, diese Vorstellungen genauer abzustimmen als das Versprechen, das Klavier werde wieder „schön“.
10. Ein nachvollziehbarer Arbeitsumfang
Im Angebot erläutere ich, welche Substanz erhalten bleibt, welche Spuren sichtbar bleiben werden und wo eine neue Beschichtung nötig ist. Eine behutsame Aufarbeitung kann zeitaufwendig sein. Entscheidend sind der Zustand des Gehäuses, sein historischer Wert und das gemeinsam vereinbarte Ergebnis.
https://www.youtube.com/watch?v=EI0J-Hht-8A