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Mythos Teamautonomie: Warum sie eine Illusion ist und wir sie trotzdem brauchen

De03b4c4461f86ac317e5173fb432ad6?s=47 Gerrit Beine
September 15, 2021

Mythos Teamautonomie: Warum sie eine Illusion ist und wir sie trotzdem brauchen

Autonome Teams sind etwas, dass wir in Softwareprojekten häufig anstreben. Autonomie an sich gilt häufig schon als ein Wert, ohne genauer zu definieren, was das eigentlich ist.

Der Vortrag beschäftigt sich mit der Frage der Teamautonomie aus Perspektive von Organisationen.

- Kann es autonome Teams eigentlich geben?
- Was bedeutet Autonomie in einer Organisation?
- Warum passiert es, dass Teams nicht autonom sind?
- Warum ist die Abwesenheit von Autonomie wertvoll?
- Welchen Zusammenhang gibt es zwischen Entscheidungen und Autonomie?
- Warum führt mehr Autonomie unweigerlich zu höheren Kommunikationsaufwänden?

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Gerrit Beine

September 15, 2021
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Transcript

  1. H e r b s t c a m p

    u s / 1 5 . 0 9 . 2 0 2 1 Mythos Teamautonomie Warum sie eine Illusion ist und wir sie trotzdem brauchen Gerrit Beine @gerritbeine
  2. TL;DL • Autonome Teams in Organisationen sind eine “wirksame Illusion”

    • Wir brauchen Organisationen um Dinge zu leisten, die wir als Individuen nicht leisten können • Organisationen funktionieren nur, wenn Teams maximal unabhängig voneinander handeln können • Mehr Autonomie führt zu mehr Kommunikation, weil mehr abstrakte Abstimmung benötigt wird
  3. Disclaimer • Botschaft Ich beschreibe nur Modelle, keine Wahrheiten •

    Mehrdeutigkeit Ich verwende Begrifflichkeiten in einem Kontext, außerhalb mögen sie andere Bedeutungen haben
  4. Jetzt geht es los.

  5. Autonomie • Selbstständigkeit, Selbstbestimmtheit, Unabhängigkeit, Entscheidungsfreiheit, … • Ich bin

    autonom, wenn ich mir in Bezug auf meine Entscheidungen* keine Gedanken machen muss über die Voraussetzungen durch andere und die Folgen für andere. * Handeln ist in diesem Sinne eine Form, sich zu entscheiden
  6. Warum bilden wir Organisationen?

  7. Was ist eine Organisation? Ein lebensfähiges Ganzes*, Das sich selbst

    erhalten kann, Auf einen Zweck ausgerichtet ist, Dessen einzelne Teile aber nicht für sich allein existieren könnten * Maturana und Varela sprechen von Organismen 3. Ordnung
  8. Wir bilden Organisationen, um Zwecke zu erfüllen.

  9. Zum Zweck… Der Zweck ist nicht das Ziel. Die Zwecke

    verändern sich. Wir müssen uns des Zwecks nicht bewusst sein. Selbsterhaltung der Organisation ist ein valider Zweck.
  10. Warum bilden wir Teams in Organisationen?

  11. Divide & Conquer: Zum Zweck der Vereinfachung des Managements

  12. Ist ein Team eine Organisation? Ein lebensfähiges Ganzes*, Das sich

    selbst erhalten kann, Auf einen Zweck ausgerichtet ist, Dessen Einzelne Teile aber nicht für sich allein existieren könnten * Maturana und Varela sprechen von Organismen 3. Ordnung
  13. Zum Zweck… Orientierung Fokussierung Effizienz Handlungsfähigkeit Reduktion von Komplexität

  14. Alignment & Entscheidungen

  15. Entscheiden ist die Hölle

  16. Entscheidungen Wenn mein Kühlschrank so ausschaut, kann ich entscheiden, ungarische

    Salami zu kaufen. Oder nicht.
  17. Entscheidungen Reicht mein Geld für Salami? Schmeckt mir Salami? Passt

    Salami optisch in dieses Repertoire? Diese Entscheidung kann ich autonom treffen.
  18. Entscheidungen sind cool, so lange ich autonom bin.

  19. Entscheidungsprämissen Eine Entscheidungsprämisse ist ein Programm, das besagt, wie in

    einer Organisation bei einer bestimmten Klasse von Problem im Prinzip entschieden wird.
  20. Entscheidungs- prämisse In meinen Kühlschrank kommen nur vegane Lebensmittel. Das

    schränkt meine möglichen Entscheidungen ein: ungarische Salami ist nicht vegan.
  21. Entscheidungsprämissen Entschiedene Entscheidungsprämissen Nicht entschiedene Entscheidungsprämissen Prinzipiell entscheidbare, nicht entschiedene

    Entscheidungsprämissen Prinzipiell unentscheidbare, nicht entschiedene Entscheidungsprämissen Wir nutzen GitHub. Wir entscheiden über das Build Tool in jedem Projekt neu. Wir wollen eine tolle Unternehmenskultur.
  22. Autonomie! Von Entscheidungsprämissen in Organisationen kann abgewichen werden. Dafür brauche

    ich Gründe, die ich erklären können muss. Es kann gut sein, dass meine Organisation mich dafür hasst.
  23. Die Waage zu halten ist nicht trivial.

  24. Teamautonomie Teamautonomie benötigt einen Handlungsrahmen: entschiedene Entscheidungsprämissen. Entscheidungsprämissen haben aber

    notwendigerweise immer blinde Flecken.
  25. Zeit Im Prinzip zu entscheiden ist abstrakter und daher schwieriger

    als konkret zu entscheiden. Entscheidungsprämissen benötigen mehr Aufwand und Zeit als Entscheidungen.
  26. Alignment Die Abwesenheit von Entscheidungsprämissen entkoppelt Teams. Voneinander, vom gemeinsamen

    Ziel und von der Organisation.
  27. Zusammenfassung

  28. Organisationen & Teams • Organisationen erlauben uns Dinge zu leisten,

    die wir allein nicht erreichen könnten • Organisationen haben Zwecke • Teams reduzieren organisationale Komplexität • Teams sind keine autonomen Teilorganisationen
  29. Teams & Autonomie • Teams müssen handlungsfähig sein, um ihre

    Aufgaben zu erfüllen • Handlungsfähige Teams benötigen innerhalb einer Organisation einen Handlungsrahmen • Der Handlungsrahmen besteht aus entschiedenen Entscheidungsprämissen
  30. Entscheidungs- prämissen • Entscheidungsprämissen benötigen Zeit für Kommunikation • Mehr

    Autonomie -> • Mehr Entscheidungsprämissen -> • Mehr Kommunikation
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