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Reflexion als Praxis: Ein Kompass mit vier Dime...

Reflexion als Praxis: Ein Kompass mit vier Dimensionen für UX-Professionals

Vorstellung des Reflexionskompass, einem Werkzeug für UX-Professionals, um eigene Erfahrungen auszuformulieren — vor, während und nach einer Situation

Präsentation von der Mensch und Computer (MuC) 2026 in Duisburg.

Download: https://rohles.net/de/artikel/reflexionskompass

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Björn Rohles

August 30, 2026

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Transcript

  1. Reflexion als Praxis Ein Kompass mit vier Dimensionen für UX-Professionals

    Björn Rohles, rohles.net Foto von Getty Images, Unsplash+
  2. Agenda 1. Hintergründe zum Re exionskompass 2. Vorausschauende Re exion

    3. Re exion in der Handlung 4. Nachträgliche Re exion 5. Meta-Re exion 6. Abschluss & Diskussion fl fl fl fl fl Foto von Getty Images, Unsplash+
  3. intellektuelle und affektive Tätigkeiten, mit denen Individuen ihre Erlebnisse erkunden,

    um zu einem neuen Verständnis zu gelangen Reflexion fl Boud, D., Keogh, R., & Walker, D. (2013). Re ection: Turning Experience into Learning. Taylor and Francis. (Ursprünglich erschienen 1985). Übersetzung BR.
  4. Wann reflektieren wir eigentlich? nachträgliche Re exion z.B. Retrospektive Zeit

    fl Handlung z.B. UX-Research-Projekt Cajander et al., 2022
  5. Diesmal: Re exion über Erwartungen an diese Session 1. 2.

    3. Mit welcher Haltung und welchen Gefühlen gehe ich in diese Situation? Welche Annahmen, Meinungen und Erfahrungen bringe ich mit? Welche handlungsleitenden Hypothesen lassen sich daraus ableiten? fl Foto von Jon Tyson auf Unsplash
  6. Vorteile von Reflexion Komplexität & Kontext Re exion erlaubt es,

    den Kontext stets im Blick zu halten. Berufsfeld im Wandel Re exion hilft, Wissen zu hinterfragen und Lernbedürfnisse zu erkennen. Datenqualität sichern Re exion hilft, Biases zu erkennen und aufmerksam zu bleiben. Schön (1983) Edwards (2017), Machost & Stains (2023) Mayring (2002) fl fl fl fl Warum ist Re exion für UX-Professionals besonders wichtig?
  7. Reflexionskompass: persönliche Hintergründe Kapitel zu qualitativer Forschung & lebenslangen Lernen

    Re exion als Qualitätssicherung und Identi zierung von Lernbedürfnissen fi fl fl Werning, T.-C., Winter, D., & Hinderks, A. (Hrsg.). (2026). User Experience (UX): Ein praxisorientiertes Handbuch für UX-Professionals (1. Au .). Springer Vieweg.
  8. Reflexionskompass: theoretische Hintergründe Donald Schön The Re ective Practitioner (1983)

    Schön, D. A. (1983). The re ective practitioner: How professionals think in action. Basic Books. 2 in-action & 3 on-action Sharon Edwards Re ecting differently (2017) Edwards, S. (2017). Re ecting differently. New dimensions: Re ection-before-action and re ection-beyond-action. International Practice Development Journal, 7(1), 1–14. https://doi.org/10.19043/ipdj.71.002 fl fl fl fl fl fl 1 before-action & 4 beyond-action
  9. Re exionen über vier Dimensionen greifbar machen fl fl Re

    exionszyklen (z.B. Gibbs 1988) vorrangig nachträglich mit Handlungsplan für Zukunft
  10. Praxisbeispiel, angewendet auf Reflexionskompass Menschzentriertes Design als Grundlage eines EU-Projekts

    Projektsetting kollaboratives EUProjekt (3 EU-Partner + 3 Partner aus Burundi) Projektziel (3 Jahre) Digitale und unternehmerische Skills durch Aufbau eines Bildungsprogramms in Burundi fördern Projektphase 1 User Research zur Identi zierung von Bildungsbedürfnissen fi Projektphase 2 Entwicklung von Prototypen von Bildungsangeboten (basierend auf User Research) Testing und iterative Weiterentwicklung
  11. Druck und Annahme von „Ownership“-Gefühl → sinnvolle, fehlerhafte Hypothesen zum

    Workshop Überlegungen zu User Research & „Ownership“ im Projektsetting Workshop (vor Ort, Juni 2026) Ziel: Vorbereitung der Prototypen für das Testing motivierendes Ergebnis mit Anpassung der Projekt-Milestones Erkennen der fehlerhaften Annahmen → Workshop angepasst
  12. Vorausschauende Reflexion 1 De nition: sich vor einem wichtigen Projekt

    oder einer UX-Handlung die eigenen Annahmen (auch Biases) und bereits bestehende Erkenntnisse vor Augen führen fl fi Vorteile & Tipps: Bildung von Hypothesen, Aufmerksamkeit auf relevante Aspekte richten, Annahmen überprüfbar machen (Re exion in der Handlung)
  13. Praxisbeispiel: Vorausschauende Reflexion • Mit welcher Haltung und welchen Gefühlen

    gehe ich in diese Situation? – schleppende Ausarbeitung der Inhalte → Druckgefühl, „gehetzt“ • Welche Annahmen, Meinungen und Erfahrungen bringe ich mit? – User Research erzeugt Gefühl von „Ownership“; aber „wir müssen liefern“ • Welche handlungsleitenden Hypothesen lassen sich daraus ableiten? – inhaltlicher Workshop für Arbeit am Prototypen benötigt
  14. Vorausschauende Reflexion 1 De nition: sich vor einem wichtigen Projekt

    oder einer UX-Handlung die eigenen Annahmen (auch Biases) und bereits bestehende Erkenntnisse vor Augen führen Vorteile & Tipps: Bildung von Hypothesen, Aufmerksamkeit auf relevante Aspekte richten, Annahmen überprüfbar machen (Re exion in der Handlung) fl fi weitere Beispiele: Annahmen zur Ästhetik von Interfaces („soll modern wirken“) explizit machen & prüfen
  15. Reflexion in der Handlung 2 De nition: innerhalb einer Situation

    kurz innehalten, wenn etwas Überraschendes geschieht, benötigt Achtsamkeit fi Vorteile & Tipps: erlaubt angemessenes Reagieren auf die Situation, sehr schnell und mit bewusst leichtgewichtigen Impulsfragen, Abgleich mit anderen möglich
  16. Wenn ihr etwas Überraschendes während des Vortrags feststellt, haltet einen

    Moment inne: 1. 2. 3. Was nehme ich in dieser Situation wahr – auch in Bezug auf meine eigenen Emotionen? Was überrascht mich? Was würde ich jetzt anpassen? Foto von Jon Tyson auf Unsplash
  17. Praxisbeispiel: Reflexion in der Handlung • Was nehme ich in

    dieser Situation wahr – auch in Bezug auf meine eigenen Emotionen? – inhaltliche Arbeit kaum gestartet, Zweifel • Was überrascht mich? – Schwierigkeiten, sich mit Projekt zu identifizieren → bestätigt durch andere • Was würde ich jetzt anpassen? – Wechsel zu Vision-Workshop „Wie erzeugen wir Wert für die Menschen in Burundi?“ → Energie fühlte sich schnell anders an
  18. Reflexion in der Handlung 2 De nition: innerhalb einer Situation

    kurz innehalten, wenn etwas Überraschendes geschieht, benötigt Achtsamkeit Vorteile & Tipps: erlaubt angemessenes Reagieren auf die Situation, sehr schnell und mit bewusst leichtgewichtigen Impulsfragen, Abgleich mit anderen möglich fi weitere Beispiele: Anpassen von User-Interviews, wenn interessante überraschende Erkenntnisse auftauchen
  19. Nachträgliche Reflexion 3 De nition: nach einer Situation systematisieren, was

    geschehen ist: beschreiben, verstehen und Konsequenzen ziehen Vorteile & Tipps: nicht beim Sammeln stehen bleiben, sondern tieferliegende Gründe entschlüsseln fi Praktisches Ausprobieren folgt später 🙂
  20. Praxisbeispiel: Nachträgliche Reflexion • Was ist geschehen – und wie

    habe ich es erlebt? – Mehrwert des Projekts erkannt, „Konvention“ zur Zusammenarbeit gewünscht, Stolz über Erfolg, Hoffnung wegen stärkerem Commitment der Partner • Was sind die Gründe für das, was gut und weniger gut gelaufen ist? – Grund: Teilnehmende sehen Projekt als Teil ihrer eigenen Vision (Motivationsschub) • Welche Schlussfolgerungen ziehe ich daraus? – inhaltliche Arbeit kam zu kurz (Unbehagen) → Auffangen über detaillierte Milestones
  21. Nachträgliche Reflexion 3 De nition: nach einer Situation systematisieren, was

    geschehen ist: beschreiben, verstehen und Konsequenzen ziehen Vorteile & Tipps: nicht beim Sammeln stehen bleiben, sondern tieferliegende Gründe entschlüsseln fl fi weitere Beispiele: Design-Critiques (Gestaltungsentscheidungen explizit machen), Re exion zum Aufbau von Portfolios nutzen
  22. Meta-Reflexion 4 De nition: vom Einzelfall auf eine übergreifende Ebene

    wechseln, nach Mustern in den Verhaltensweisen und Emotionen sowie im UX-Berufsfeld suchen fi Vorteile & Tipps: Erkenntnisse für die Zukunft gewinnen und die eigene Positionierung schärfen
  23. Meta-Re exion geht über den einzelnen Moment hinaus. Nutzt Re

    exion daher regelmäßig, um Muster in eurer UX-Praxis zu erkennen. fl fl Foto von Javier Allegue Barros auf Unsplash
  24. Praxisbeispiel: Meta-Reflexion • Welche Muster erkenne ich auf Basis meiner

    Beobachtungen? – gemeinsamer User Research ≠ „Ownership“ → Vorgehen zu Beginn festgelegt, Perspektive der Stakeholder:innen nicht genug berücksichtigt • Was ist typisch für meine Arbeitsweise und emotionalen Reaktionen? – Vorbereitung gut, Anpassung an Situation zentral • Was nehme ich daraus für die Zukunft mit? – Arbeit an gemeinsamer Vision als motivierend erlebt, Nachhaltigkeit muss sich beweisen
  25. Meta-Reflexion 4 De nition: vom Einzelfall auf eine übergreifende Ebene

    wechseln, nach Mustern in den Verhaltensweisen und Emotionen sowie im UX-Berufsfeld suchen Vorteile & Tipps: Erkenntnisse für die Zukunft gewinnen und die eigene Positionierung schärfen fi weitere Beispiele: persönliche Vorteile von UX für Stakeholder:innen herausstellen statt UX ständig zu erklären
  26. Persönliche Abschlussre exion zur Session 1. 2. 3. Was ist

    geschehen – und wie habe ich es erlebt? Was sind die Gründe für das, was gut und weniger gut gelaufen ist? – Abgleich mit euren Erwartungen Welche Schlussfolgerungen ziehe ich daraus? fl Foto von Jon Tyson auf Unsplash
  27. Photo by Kristin Jarvis on Unsplash Diskussion Gibt es jemanden,

    der die persönliche Re exion teilen möchte? Gibt es Fragen oder Anmerkungen? fl fl Download & Feedback zum Re exionskompass: Voting zum Beitrag Presentation FP06:
  28. Referenzen Boud, D., Keogh, R., & Walker, D. (2013). Re

    ection: Turning Experience into Learning. Taylor and Francis. (Ursprünglich erschienen 1985) Machost, H., & Stains, M. (2023). Re ective Practices in Education: A Primer for Practitioners. CBE—Life Sciences Education, 22(2), es2. https://doi.org/10.1187/cbe.22-07-0148 Cajander, Å., Larusdottir, M., & Geiser, J. L. (2022). UX professionals’ learning and usage of UX methods in agile. Information and Software Technology, 151, 107005. https:// doi.org/10.1016/j.infsof.2022.107005 Mayring, P. (2002). Einführung in die Qualitative Sozialforschung (5. Au .). Beltz. Edwards, S. (2017). Re ecting differently. New dimensions: Re ection-before-action and re ection-beyond-action. International Practice Development Journal, 7(1), 1–14. https:// doi.org/10.19043/ipdj.71.002 fl fl fl fl fl fl fl fl Gibbs, G. (1988). Learning by doing: A guide to teaching and learning methods. FEU. Schön, D. A. (1983). The re ective practitioner: How professionals think in action. Basic Books. Werning, T.-C., Winter, D., & Hinderks, A. (Hrsg.). (2026). User Experience (UX): Ein praxisorientiertes Handbuch für UXProfessionals (1. Au .). Springer Vieweg.