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Kaiser Wilhelm II. (Seine Rede, Vol. 2)

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April 27, 1900

Kaiser Wilhelm II. (Seine Rede, Vol. 2)

Anmerkung: Es sind zwei Versionen dieser Rede überliefert, zwischen denen es zum Teil gewaltige Unterschiede gibt. Das betrifft nicht nur die ganze Hunnenpassage, die hier präsentierte Version legt zudem nahe, daß der Kaiser zum Bruch des Kriegsvölkerrechts aufgerufen hat, wenn er davon spricht, daß "kein Pardon gegeben" werden solle. In der offiziell abgesegneten Version war die Wendung so zu verstehen, daß der Gegner kein Pardon geben würde und man sich dementsprechend wappnen solle. Nun ist die Überlieferungsfrage das zentrale Problem bei der Beurteilung dieser Rede. Es gibt noch andere ausführliche Fassungen der Rede, die zwar auch die Hunnenpassage enthalten, aber mehr Wert auf den christlich-missionarischen Aspekt legen. So in der Nordwestdeutschen Zeitung (Bremerhaven) vom 28. Juli 1900. Die Passage unmittelbar vor den Hunnen lautet dort:
"Ihr sollt fechten mit einem Euch ebenbürtigen, tapferen, verschlagenen Feind, gut bewaffnet und gut ausgerüstet. Aber Ihr sollt auch rächen den Tod unseres Gesandten und so vieler, nicht nur Landsleute, auch anderer Europäer! Kommt Ihr vor den Feind, so wird derselbe geschlagen! Pardon wird nicht gegeben! Gefangene werden nicht gemacht! Wer Euch in die Hände fällt, sei Euch verfallen. Und Gottes Segen möge an Eure Fahnen sich heften und dieser Krieg den Segen bringen, daß das Christentum in jenem Lande seinen Einzug hält, damit solch' traurige Fälle nicht mehr vorkommen! Dafür steht Ihr Mir mit Eurem Fahneneid!"

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drikkes

April 27, 1900
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Transcript

  1. Kaiser Wilhelm II. Hunnen rede Verabschiedung des deutschen Ostasiatischen Expeditionskorps

    zur Niederschlagung des Boxeraufstands – 27. Juli 1900, Bremerhaven 1
  2. Zum ersten Mal, seitdem das deutsche Reich wiedererstanden ist, tritt

    an Sie eine große überseeische Aufgaben heran. Dieselben sind früher und in größerer Ausdehnung an uns herangetreten, als die meisten meiner Landsleute erwartet haben. Sie sind die Folgen davon, daß das deutsche Reich wieder erstanden ist und damit die Verpflichtung hat, für seine im Auslande lebenden Brüder einzustehen, im Moment der Gefahr. 2
  3. Mithin sind nun die alten Aufgaben, die das alte römische

    Reich nicht hat lösen können, von Neuem hervorgetreten, und das neue deutsche Reich ist in der Lage, sie zu lösen, weil es ein Gefüge bekommen hat, das ihm die Möglichkeit dazu giebt. Durch unser Heer, in dreißigjähriger angestrengter, harter Friedensarbeit, sind viele hunderttausende von Deutschen zum Kriegsdienste herangebildet worden. 3
  4. Ausgebildet nach den Grundsätzen meines verewigten großen Großvaters, bewährt in

    drei ruhmvollen Kriegen, sollt ihr nunmehr auch in der Fremde drüben Zeugnis ablegen, ob die Richtung, in der wir uns in militärischer Beziehung bewegt haben, die rechte sei. 4
  5. Eure Kameraden von der Marine haben uns schon gezeigt, daß

    die Ausbildung und Grundsätze, nach denen wir unsere militärischen Streitkräfte ausgebildet haben, die richtigen sind und an Euch wird es sein, es ihnen gleich zu thun. Nicht zum geringsten erfüllt es uns alle mit Stolz, daß gerade aus dem Munde auswärtiger Führer das höchste Lob unseren Streitern zuerkannt wurde. 5
  6. Die Aufgabe, zu der Ich Euch aussende, ist eine große.

    Ihr sollt schweres Unrecht sühnen. Ein Volk, das, wie die Chinesen, es wagt, tausendjährige alte Völkerrechte umzuwerfen und der Heiligkeit der Gesandten und der Heiligkeit des Gastrechts in abscheulicher Weise Hohn spricht, das ist ein Vorfall, wie er in der Weltgeschichte noch nicht vorgekommen ist und dazu von einem Volke, welches stolz ist auf seine vieltausendjährige Cultur. 6
  7. Aber Ihr könnt daraus ersehen, wohin eine Cultur kommt, die

    nicht auf dem Christentum aufgebaut ist. Jede heidnische Cultur – mag sie noch so schön und gut sein – geht zu Grunde, wenn große Aufgaben an sie herantreten. 7
  8. So sende ich Euch aus, daß Ihr bewähren sollt... »

    einmal Eure alte deutsche Tüchtigkeit, » zum zweiten die Hingebung, die Tapferkeit und das freudige Ertragen jedweden Ungemachs und » zum dritten Ehre und Ruhm unserer Waffen und unserer Fahnen. 8
  9. Ihr sollt Beispiele abgeben von der Manneszucht und Disciplin, aber

    auch der Überwindung und Selbstbeherrschung. Ihr sollt fechten gegen eine gut bewaffnete Macht, aber Ihr sollt auch rächen, nicht nur den Tod des Gesandten, sondern auch vieler Deutscher und Europäer. Kommt Ihr vor den Feind, so wird er geschlagen. 9
  10. Pardon wird nicht gegeben; Gefangene nicht gemacht. 10

  11. Wer Euch in die Hände fällt, sei in Eurer Hand.

    11
  12. Wie vor 1000 Jahren die Hunnen unter ihrem König Etzel

    sich einen Namen gemacht, der sie noch jetzt in der Überlieferung gewaltig erscheinen läßt, so möge der Name Deutschland in China in einer solchen Weise bekannt werden, daß niemals wieder ein Chinese es wagt, etwa einen Deutschen auch nur scheel anzusehen. 12
  13. Ihr werdet mit Übermacht zu kämpfen haben, das sind wir

    ja gewöhnt, unsere Kriegsgeschichte beweist es. Ihr habt es gelernt aus der Geschichte des Großen Kurfürsten und aus Eurer Regimentsgeschichte. Der Segen des Herrn sei mit Euch, die Gedanken eines ganzen Volkes begleiten Euch, geleiten Euch auf allen Euren Wegen. 13
  14. Meine besten Wünsche für Euch, für das Glück Eurer Waffen

    werden Euch folgen! Gebt, wo es auch sei, Beweise Euren Muthes, und der Segen Gottes wird sich an Eure Fahnen heften und es Euch geben, daß das Christentum in jenem Lande seinen Eingang finde. Dafür steht Ihr Mir mit Eurem Fahneneid, und nun glückliche Reise. Adieu, Kameraden. 14